Warum wir eine spanische Katze haben

Spanische Katze

Oft werde ich gefragt, warum ich eine Katze aus dem Ausland geholt habe. Wenn es doch auch in der Schweiz volle Tierheime gibt, ist der zweite, meist unausgesprochene, Teil der Frage. Hier meine komplizierte Antwort mal ganz ausführlich:

Fast alle Katzen, mit denen ich bis jetzt zusammengelebt habe, kommen aus dem Tierschutz und ich würde auch nie mehr etwas anderes als Second-Hand-Tiere wollen. Als mein Kater vor ein paar Jahren unerwartet an einer Herzkrankheit verstarb, war uns klar, dass die sehr verpielte Mimi trotz ihrer damals bereits 11 Jahren nicht alleine bleiben soll. Wir suchten also eine erwachsene Katze, die sich mit Artgenossen verträgt.

Ich habe mich online umgesehen und auch ziemlich schnell in einem Tierheim in der Nähe einen scheuen Kater aus einem Animal-Hording-Fall  gefunden. Doch der wurde uns als Freigänger nicht vermittelt, weil wir über keine Katzenklappe verfügen und auch keine in unsere Mietwohnung einbauen dürfen. Zwar hat es eine Klappe im Kellerfenster, aber keinen direkten Zugang zu unserer Wohnung. Da wir ausserdem neben einer Bushaltestelle wohnen, fand die zuständige Tierpflegerin die Situation für den scheuen Kater nicht ideal, womit sie sicherlich recht hatte.

Es klappt nicht, weil die Katzenklappe fehlt

Viele Schweizer Tierheime vermitteln Freigänger nur unter der Bedingung, dass eine Katzenklappe vorhanden ist. Weil uns bewusst wurde, dass zwar auf der einen Seite des Hauses Gärten mit katzenfreundlichen Nachbarn sind, aber der Verkehr auf der gegenüberliegenden Strasse leider in den letzten Jahren stark zugenommen hat, suchten wir nun eine weibliche Wohnungskatze. Eine, die Artgenossen gegenüber sozial und weder zu jung noch zu alt sein musste, weil ein Kitten sich mit einer 11-jährigen langweilt, diese aber immer noch topfit war und eine Seniorin eher überfordert hätte.

Während ungefähr einem Monat habe ich alle Online-Angebote durchkämmt, die ich nur finden konnte und einfach nichts gefunden oder z.B. Absagen gekriegt, weil unser Balkon zu klein ist. Leider werden immer noch viele Katzen von klein an alleine gehalten und sind als Einzelgänger dann ziemlich überfordert mit Katzengesellschaft. Deshalb sind die sozialen Tiere in der Minderheit und ich war schon fast am Verzweifeln, da fand ich die wunderschöne, sanfte Tuxa in einem Zürcher Tierheim, Wohnungskatze und abgegeben wegen einer Allergie.

Sie hat sich gut bei uns eingelebt, dank einer langsamen Zusammenführung und weil sie Mimis Angebereien stoisch ertrug. Aber etwas fehlte.

Ein deutscher Verein hilft spanischen Katzen

Mimi genoss es, ohne den Kater den Garten zu durchstreunen und war plötzlich sehr oft draussen. So fing ich wieder an zu suchen und bin auf den Verein www.katzenhilfe-samtpfoetchen.de gestossen. Dieser unterstützt private spanische Tierschützer in ihren Bemühungen, die Situation für Strassenkatzen in Malaga, Sevilla oder Cordoba zu verbessern. Dies vor allem mit dem Betreuen von Katzenkolonien und mit Kastrationsaktionen, wobei die kastrierten Katzen normalerweise wieder an ihrem angestammten Platz freigelassen werden.
Denn es macht keinen Sinn wilde, herrenlose Katzen einzusperren, da diese sich nicht wohl fühlen würden und auch schwer vermittelbar wären. So werden meistens nur zutrauliche, ausgesetzte Tiere, die auf der Strasse nicht lange überleben würden oder solche mit Krankheiten und Handicaps in die Vermittlung aufgenommen. Vermittelt werden sie in Spanien oder dann per Flugpate nach Deutschland oder die Schweiz.

Das Leben auf der Strasse

Strassenkatzen haben auch in Spanien kein schönes Leben und Kastrationsaktionen sind die einzige Methode um wild lebende Katzenpopulationen zu vermindern. Das Einfangen und Töten, das seit Jahrzehnten betrieben wird, hilft erwiesenermassen nicht. Trotzdem sind die staatlichen Tierheime meist nur Tötungstationen, in denen Hunde und Katzen nach Tagen oder Wochen vergast oder sonst wie umgebracht werden. Die staatlichen Perreras werden für das Entsorgen der Tiere bezahlt und nicht für das Versorgen oder gar das Vermitteln an einen neuen Platz. Spanische Tierschützer hingegen sind privat organisiert.

Viele Strassenkatzen sind ausgesprochen sozial, da sie mit anderen Tieren in Kolonien zusammengelebt haben. So fanden wir schliesslich Tritri, unser kleines, schwarzes, scheues Dreibeinchen, dessen verkrüppeltes Hinterbein amputiert werden musste, weswegen es nicht mehr auf die Strasse zurückkonnte und als Wohnungskatze vermittelt wurde.

Eine neue scheue Katze

Die schöne Spanierin hat sich anfangs zwei Wochen versteckt, aber dann hat sie unsere Herzen erobert und wir ihres auch. Sie geniesst den Luxus, betet Tuxa und meinen Mann an, spielt mit der immer noch völlig verspielten Mimi komplizierte Fangspiele mit dramatischen Showelementen, liebt jede Art von Liegeplätzen und frisst fürs Leben gern.

Letzthin haben wir sie aus Versehen ins Treppenhaus gesperrt, da hat sie vor der Wohnungstür um ihr Leben geschriehen, denn sie will ganz offensichtlich hier bleiben.

Was man bei ausländischen Tieren beachten muss

Unbedingt auf einen seriösen Verein achten: Unsere Katze war geimpft, auf Leukose und FIV getestet, gegen Tollwut geimpft und hatte einen gültigen EU-Pass. Die Vereins-Webseite verfügt über ein Forum, wo man Antwort auf alle Fragen erhält. Der Beschrieb im Internet war ausführlich und liebevoll (und hat sich als übereinstimmend mit dem Wesen der Katze erwiesen).
Wir haben eine Schutzgebühr von € 130.– bezahlt, was in Anbetracht der Operationskosten der Beinamputation sehr wenig ist. Der Verein legt den Schwerpunkt auf die Kastrationsaktionen und will nicht einfach Geld mit dem Vermitteln von immer mehr Katzen machen.

 

 

 

 

 

 

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